Renato Berta: Interviewauszüge

Renato Berta (Foto: Privatarchiv Renato Berta)

Renato Berta (Foto: Privatarchiv Renato Berta)

Interviewauszüge – Renato Berta über seine Arbeit und über das Kino

”Die Arbeit mit einer Kamera hat mich stärker interessiert, weil sie mit praktischer Arbeit verbunden ist und viel mit Technik zu tun hatte. Es ist ein Metier, das einen Zugang zum Kino bietet, der nicht so theoretisch, sondern sehr direkt ist.”
Renato Berta 2007 IN EINEM INTERVIEW MIT DEM FILMBULLETIN

”Ich habe mit großen und kleinen Equipen gedreht. Man muss mit genau so vielen Leuten arbeiten, wie notwendig ist. Bei drei Vierteln aller Filme gibt es aber ein Produktionssystem, das primär Filme reproduziert, die bereits gemacht wurden. Keine sehr originelle Art, Filme herzustellen. Man wendet – ohne durchdachte Kriterien – einfach gewisse Regeln an, so wie es eben üblich ist. […] aber für mich existiert das Problem nicht: Die Mittel, die Zeit, das Geld, das sind Probleme, die bei profunder, origineller, durchdachter Gestaltung eines Films gar keine Rolle spielen dürfen. Die Kohärenz für einen Film zu finden, das ist das Wichtigste, aber auch das Schwierigste.
[…] Wenn man rechts und links Filme dreht, muss man bei der Zusammensetzung einer Equipe auch die Bedürfnisse der Produzenten und die Co-Produktions- Verträge berücksichtigen und kann nicht immer die Leute beschäftigen, die man will. Es hängt auch von den Filmen ab: Wenn ich einen Film mit kleiner Equipe drehe, sollten die Mitarbeiter – jeder in seinem Bereich – möglichst autonom sein; wenn ich mit einer größeren Crew, deren Leute man dirigieren muss, arbeite, wähle ich etwas andere Mitarbeiter. Generell arbeite ich aber am liebsten mit Leuten, die man kennt, da gibt es keine psychologischen Probleme und es ist einfacher.”
Renato Berta 2007 IN EINEM INTERVIEW MIT DEM FILMBULLETIN

”Da es mir schwerfällt, die Kamera loszulassen, weil mich die Kamera als Werkzeug interessiert, da ich bereits rein physisch große Mühe habe, die Kamera loszulassen, bin ich dem Spiel der Schauspieler oft sehr nah. Wenn ein Kameraoperateur nicht nur rein technisch, wie eine Maschine, unsensibel wie ein Roboter filmt – was nicht mein Fall ist – lässt er sich ins Spiel der Darsteller hineinziehen. Wenn die Aufnahme technisch nicht sehr kompliziert ist, kann ich bereits beim Drehen beurteilen, was im Inneren des Bildausschnitts passiert. Wenn ich also in der Nähe der Schauspieler bin, lasse ich mich total gefangen nehmen. Der Moment, wo man sich vom Spiel der Darsteller packen lässt und die Kamera mitgeht, das sind Augenblicke, die wirklich formidabel sind. Diese Momente machen viel Freude.”
Renato Berta 2007 IN EINEM INTERVIEW MIT DEM FILMBULLETIN

”Nicht ich mache das Bild, sondern der Regisseur.”
Renato Berta 2001 IN EINEM INTERVIEW MIT DEN CAHIERS DU CINÉMA

Renato Berta (Foto: Privatarchiv Renato Berta)

Renato Berta (Foto: Privatarchiv Renato Berta)

”Die Arbeit des Kameramanns hängt sehr stark von der Inszenierung ab – also sind es Entscheidungen der Regie. Auch die Lichtführung entsteht immer im Dialog mit dem Regisseur. Schritt für Schritt findet man eine Vorstellung von der Fotografie, die kohärent sein sollte, eine Vorstellung davon, wie man filmen will, wie die Dinge auf der Leinwand erscheinen sollen, wie die Schauspieler arbeiten werden, wie die Schauspieler das Problem angehen, sich ins Bild zu setzen. Das Problem stellt sich auch immer anders, je nachdem ob man mit Straub, Resnais oder Daniel Schmid arbeitet. Das wichtigste für den Kameramann ist, herauszufinden, was ein Regisseur sucht. Wenn man sucht, ist man allerdings nie sicher, was man finden wird. Manchmal täuscht man sich und muss andersrum neu beginnen – und dabei kann der Kameramann enorm hilfreich sein. Aber Chef der Sache ist immer der Regisseur.”
Renato Berta 2007 IN EINEM INTERVIEW MIT DEM FILMBULLETIN

”Ich denke nicht, dass man bei mir einen eigenen „Stil“ entdecken kann. Man kann bestimmte „Ticks“ von einem Film zum anderen finden, aber nicht mehr. […] Für mich ist es wichtig, dass ich nicht der Kameramann eines einzigen Regisseurs bin. Ich habe mit mehreren Regisseuren zusammengearbeitet. Verschiedene Kollegen legen Wert darauf, dass man in der Tat bestimmte Sachen von einem Film zum anderen wieder erkennen kann und sie platzieren diese Sachen dann auch so, dass man sie wieder erkennen kann. Und dann wiederholen sie immer die gleichen Sachen. Das ist bedauerlich, denn so verlieren sie den Boden unter den Füßen, einfach weil die Technik sich weiterentwickelt und die Technik neue Dinge und neue Ideen verlangt. Und weil dies ein kompliziertes Metier ist, bei dem man bei jedem Film dazulernt.“
Renato Berta 1978 IN EINEM INTERVIEW MIT DEN CAHIERS DU CINÉMA

”Der fundamentale Unterschied zwischen dem Kino und den anderen Medien, die sich in Bild und Ton ausdrücken, ist die Einstellung. Die Einstellung existiert nur im Kino. Und die Einstellung hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende in einem zeitlichen Verlauf. Genau wie ein Satz in der Literatur – vielleicht eine etwas simple Parallele, aber dennoch zutreffend. Fernsehen dagegen ist wirklich die Negation der Einstellung. Bei einer Übertragung von einem Fußballmatch etwa gibt es zehn oder vierzehn Bildschirme im Aufnahmestudio, und du wählst das beste Bild. Per Definition wählst du keine Einstellung, sondern den Augenblick, der dich am meisten interessiert. Die ausgedachte, die geplante Einstellung gibt es da nicht. Die Einstellung existiert nicht. Beim Kino hat man grosso modo doch die Vorstellung, dass es sich um etwas Durchdachtes, Gestaltetes handeln soll. Fernsehen ist also die Negation der Einstellung, es wird auch kein Licht gesetzt – es ist einfach Fernsehen. Wenn man Fernsehen macht, macht man Fernsehen, wenn man Kino machen will, soll man Kino machen.”
Renato Berta 2007 IN EINEM INTERVIEW MIT DEM FILMBULLETIN







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